Touchless Invoice Rate: Die Kennzahl, die Ihren Rechnungseingang messbar macht

Viele Unternehmen halten ihren Rechnungseingang für weitgehend automatisiert. In der Praxis bleiben jedoch oft manuelle Arbeitsschritte bestehen, etwa Rückfragen, Korrekturen, unklare Zuordnungen oder Freigaben außerhalb des vorgesehenen Workflows. Die Touchless Invoice Rate zeigt, wie viele Rechnungen tatsächlich ohne manuellen Eingriff durch den definierten Prozess laufen. So wird aus einer allgemeinen Einschätzung eine belastbare Kennzahl, mit der sich Schwachstellen erkennen und Verbesserungen gezielt steuern lassen.

8 Minuten Lesezeit
August 14, 2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Touchless Invoice Rate misst den Anteil der Rechnungen, die ohne manuellen Eingriff verarbeitet werden
  • Entscheidend ist eine klare Definition dessen, was als manueller Touch gilt
  • Die Kennzahl sollte gemeinsam mit Durchlaufzeit, Fehlerquote und Klärfällen betrachtet werden
  • Der größte Nutzen liegt in der Analyse wiederkehrender Ursachen für Rückfragen und Korrekturen

Was bedeutet Touchless Invoice Rate?

Die Touchless Invoice Rate gibt an, wie viele Rechnungen ohne manuelle Bearbeitung durch den definierten Rechnungseingangsprozess laufen. Dazu gehören je nach Unternehmen zum Beispiel die Erfassung, Prüfung, Zuordnung, Freigabe und Übergabe an ERP oder Finanzbuchhaltung.

Kurz gesagt:

Die Touchless Invoice Rate zeigt, wie hoch der tatsächliche Automatisierungsgrad im Rechnungseingang ist.

Teilweise wird die Kennzahl auch als Straight-Through Processing Rate bezeichnet. Gemeint ist in beiden Fällen, dass Rechnungen möglichst ohne Rückfragen, Korrekturen oder manuelle Eingriffe verarbeitet werden.

Zählt eine reguläre Freigabe als manueller Touch?

Eine reguläre Freigabe ist nicht automatisch mit einem vermeidbaren manuellen Eingriff gleichzusetzen. In vielen Unternehmen ist sie bewusst Teil des internen Kontrollsystems.

Hilfreich ist daher die Unterscheidung zwischen:

Vollständig touchless:
Die Rechnung wird ohne menschliche Bearbeitung oder Entscheidung erfasst, geprüft, zugeordnet und weitergegeben.

Weitgehend automatisiert:
Die Rechnung wird automatisch verarbeitet, erfordert jedoch eine reguläre menschliche Freigabe.

Diese Trennung verhindert, dass unterschiedliche Prozessmodelle miteinander vermischt werden. Gleichzeitig wird sichtbar, an welchen Stellen tatsächlich vermeidbarer Aufwand entsteht.

Warum schafft OCR allein noch keinen Touchless-Prozess?

Eine Rechnung ist nicht automatisch touchless, nur weil OCR (Optical Character Recognition) oder KI die Daten ausliest. Die Belegerkennung ist lediglich ein Teilschritt.

Aussagekräftig wird die Kennzahl erst, wenn der gesamte Prozess betrachtet wird:

  1. Eingang und Erfassung der Rechnung
  2. Prüfung der Rechnungsdaten
  3. Zuordnung zu Kostenstelle, Bestellung oder Verantwortlichem
  4. Freigabe beziehungsweise Genehmigung
  5. Übergabe an ERP oder Finanzbuchhaltung
  6. Zahlung und Archivierung

Ob eine Rechnung als vollständig touchless oder weitgehend automatisiert gilt, richtet sich nach der zuvor festgelegten Messlogik.

So berechnen Sie die Touchless Invoice Rate

Die Grundformel lautet:

Touchless Invoice Rate = Anzahl der Rechnungen ohne manuellen Touch ÷ Gesamtzahl der betrachteten Rechnungen × 100

Ein Beispiel:

In einem Monat werden 2000 Rechnungen verarbeitet. Davon durchlaufen 1300 Rechnungen den definierten Prozess ohne manuellen Eingriff.

1300 ÷ 2000 × 100 = 65 Prozent

Die Touchless Invoice Rate beträgt in diesem Zeitraum 65 Prozent.

So werten Sie die Touchless Invoice Rate in vier Schritten aus

  1. Messzeitraum und Umfang festlegen

Definieren Sie den betrachteten Zeitraum und den Belegumfang. Dazu können beispielsweise Eingangsrechnungen, Gutschriften, Stornorechnungen, wiederkehrende Rechnungen oder Sonderfälle gehören.

  1. Manuelle Eingriffe eindeutig definieren

Bestimmen Sie, welche Ereignisse als Touch zählen. Dabei sollte zwischen notwendigen Kontrollschritten und vermeidbaren Bearbeitungen unterschieden werden.

  1. Ursachen erfassen

Jeder manuelle Eingriff sollte möglichst einer Ursache zugeordnet werden, etwa fehlenden Referenzen, unklaren Kostenstellen, Abweichungen, Stammdatenproblemen oder technischen Unterbrechungen.

  1. Ergebnisse segmentieren

Aussagekräftiger wird die Kennzahl, wenn sie nach Lieferant, Standort, Kostenstelle, Belegart, Prozessweg oder Ausnahmegrund ausgewertet wird.

Warum die Kennzahl mehr zeigt als die Bearbeitungszeit

Viele Unternehmen messen bereits Durchlaufzeiten oder offene Rechnungen. Diese Werte sind wichtig, erklären aber nicht vollständig, wodurch der Aufwand im Prozess entsteht.

Die Touchless Invoice Rate ergänzt diese Sicht. Sie zeigt nicht nur, wie schnell Rechnungen verarbeitet werden, sondern auch, wie stabil und standardisiert der Prozess läuft.

Das bringt drei zentrale Vorteile:

  • Standardisierung wird messbar
  • Ausnahmen werden sichtbar
  • Kapazitäten werden planbarer

Eine hohe Quote ist kein Selbstzweck

Nicht jede manuelle Prüfung ist vermeidbar oder unerwünscht. Ungewöhnliche Rechnungen, hohe Beträge oder rechtlich relevante Sonderfälle können bewusst eine menschliche Kontrolle erfordern.

Das Ziel ist deshalb nicht zwangsläufig eine Quote von 100 Prozent, sondern ein risikogerechter und effizienter Prozess:

  • Standardfälle automatisiert verarbeiten
  • Abweichungen zuverlässig erkennen
  • erforderliche Kontrollen erhalten
  • Ausnahmen nachvollziehbar bearbeiten

Eine steigende Touchless Invoice Rate ist vor allem dann positiv, wenn gleichzeitig Qualität, Transparenz und interne Kontrollanforderungen erhalten bleiben.

Typische Gründe für manuelle Eingriffe

Manuelle Eingriffe entstehen selten zufällig. Oft lassen sie sich auf einige wiederkehrende Ursachen zurückführen:

  • unklare Zuordnungen zu Kostenstellen, Projekten oder Verantwortlichen
  • fehlende Bestellnummern, Vertragsbezüge oder Leistungsnachweise
  • nicht passende Freigabe- und Eskalationsregeln
  • unvollständige oder veraltete Stamm- und Lieferantendaten
  • fehlende Regeln für wiederkehrende Sonderfälle
  • Medienbrüche zwischen E-Mail, Tabellen, ERP und Buchhaltung

Maßnahmenplan zur Verbesserung

Stufe 1: Messen und klassifizieren

Legen Sie fest, was als manueller Touch gilt, und erfassen Sie die wichtigsten Ursachen.

Stufe 2: Standardfälle stabilisieren

Konzentrieren Sie sich auf wiederkehrende Vorgänge mit hohem Volumen, etwa bekannte Lieferanten, feste Kostenstellen oder klare Bestellprozesse.

Stufe 3: Ausnahmen gezielt steuern

Ausnahmen sollten nicht jedes Mal neu organisiert werden, sondern über klare Ursachen, Rollen, Entscheidungslogiken und Eskalationswege laufen.

Stufe 4: Entwicklung regelmäßig auswerten

Beobachten Sie die Kennzahl über mehrere Zeiträume und prüfen Sie, welche Maßnahmen tatsächlich Wirkung zeigen.

Welche Kennzahlen ergänzen die Touchless Invoice Rate?

Die Touchless Invoice Rate sollte nicht isoliert betrachtet werden. Erst in Kombination mit weiteren KPIs ergibt sich ein realistisches Bild der Prozessqualität im Rechnungseingang.

Sinnvolle ergänzende Kennzahlen sind:

  • Durchlaufzeit
  • Anteil der Klärfälle
  • Anzahl manueller Eingriffe je Rechnung
  • Fehler- und Korrekturquote
  • Anteil fristgerecht freigegebener Rechnungen
  • Anteil automatisiert zugeordneter Rechnungen
  • Skontoausnutzung
  • offene Rechnungen nach Bearbeitungsstatus

Erst die Kombination mehrerer Kennzahlen zeigt, ob der Rechnungseingang nicht nur automatisiert, sondern auch zuverlässig und effizient funktioniert.

So unterstützt artner Invoice den digitalen Rechnungseingang

Unternehmen, die ihre Touchless Invoice Rate verbessern möchten, brauchen vor allem transparente Prozesse, klare Workflows und eine saubere Steuerung von Standardfällen und Ausnahmen.

artner Invoice bildet den Rechnungseingang digital von der Erkennung über die automatisierte Prüfung und Freigabe bis zur Archivierung ab. So lassen sich Standardfälle stabil führen und Abweichungen gezielt bearbeiten.

Die Lösung unterstützt insbesondere durch:

  • automatisierte Prüfungen und digital gesteuerte Freigabeprozesse
  • individuell steuerbare Workflows
  • transparente Bearbeitungsstände
  • flexible Rollen- und Rechtekonzepte
  • Integration in ERP- und Buchhaltungssysteme
  • revisionssichere Archivierung

Damit schafft artner Invoice eine transparente Prozessgrundlage, auf der Unternehmen manuelle Eingriffe erkennen, wiederkehrende Ursachen analysieren und ihre Automatisierungsquote langfristig verbessern können.

KPI-Template zur Touchless Invoice Rate

Mit der Excel-Vorlage erfassen Sie Rechnungen mit und ohne manuellen Touch, ordnen Eingriffe ihren Ursachen zu und berechnen die Touchless Invoice Rate automatisch.

So erhalten Sie eine belastbare Grundlage für die Analyse Ihres Rechnungseingangs und können Entwicklungen über mehrere Zeiträume vergleichen.

KPI-Template zur Touchless Invoice Rate herunterladen >

Rechnungseingang transparenter gestalten

Sie möchten Standardfälle zuverlässiger verarbeiten und wiederkehrende Ursachen für manuelle Eingriffe reduzieren?

In einer Live-Demo zeigen wir Ihnen, wie artner Invoice den Rechnungseingang von der Erkennung und Prüfung über die Freigabe bis zur revisionssicheren Archivierung digital abbildet.

FAQ

Was bedeutet Touchless Invoice Rate?

Die Touchless Invoice Rate ist eine Kennzahl für den Rechnungseingang. Sie misst den Anteil der Rechnungen, die ohne manuellen Eingriff durch den definierten Verarbeitungsprozess laufen.

Was ist eine gute Touchless Invoice Rate?

Eine allgemeingültige Zielquote gibt es nicht. Sie hängt unter anderem vom Rechnungsvolumen, der Lieferantenstruktur, dem Automatisierungsgrad und den internen Kontrollanforderungen ab. Wichtiger als ein fixer Zielwert ist die Entwicklung über mehrere Zeiträume.

Zählt eine menschliche Rechnungsfreigabe als manueller Touch?

Das hängt von der festgelegten Messlogik ab. Oft wird zwischen vollständig touchless verarbeiteten Rechnungen und weitgehend automatisierten Vorgängen mit regulärer menschlicher Freigabe unterschieden.

Ist OCR bereits touchless?

Nein. OCR oder KI-gestützte Belegerkennung liest Rechnungsdaten aus, bildet aber nur einen Teil des Prozesses ab. Als touchless gilt eine Rechnung erst, wenn sie auch die weiteren definierten Schritte ohne manuellen Eingriff durchläuft.

Welche manuellen Eingriffe sollten erfasst werden?

Typisch sind Rückfragen, Korrekturen, manuelle Zuordnungen, Freigabe-Eskalationen und Klärungen von Abweichungen. Entscheidend ist eine einheitliche Definition innerhalb des Unternehmens.

Wie oft sollte die Kennzahl ausgewertet werden?

Für den Einstieg eignet sich eine monatliche Auswertung. Bei hohem Rechnungsvolumen kann zusätzlich nach Lieferant, Standort, Kostenstelle oder Belegart differenziert werden.

Wie lässt sich die Touchless Invoice Rate verbessern?

Die Kennzahl verbessert sich vor allem dann, wenn Standardfälle sauber automatisiert, Ausnahmen klar geregelt und wiederkehrende Ursachen für manuelle Bearbeitung systematisch reduziert werden.

Kann eine Touchless Invoice Rate von 100 Prozent erreicht werden?

Theoretisch ist das für klar definierte Standardfälle möglich. Über den gesamten Rechnungseingang hinweg ist eine Quote von 100 Prozent jedoch selten sinnvoll, da Abweichungen und risikorelevante Vorgänge weiterhin kontrolliert werden müssen.

Zurück zur Übersichtsseite

Weitere Wissensseiten zum Thema

No items found.