Ausgangsrechnungen als E-Rechnung erstellen – warum viele ERP-Systeme an ihre Grenzen stoßen

Best Practice
June 25, 2026

Die E-Rechnungspflicht rückt näher, doch viele ERP-Systeme, Branchenlösungen und Eigenentwicklungen können normkonforme E-Rechnungen für Ausgangsrechnungen nur eingeschränkt oder gar nicht erzeugen. Warum Unternehmen jetzt handeln sollten und welche Anforderungen moderne Prozesse erfüllen müssen.

Inhaltsangabe

Seit der Einführung der E-Rechnungspflicht beschäftigen sich viele Unternehmen intensiv mit digitalen Rechnungsprozessen. Während häufig über den Empfang von E-Rechnungen gesprochen wird, gerät ein anderer Bereich oft in den Hintergrund: die Erstellung von Ausgangsrechnungen.

In der Praxis zeigt sich zunehmend, dass viele ERP-Systeme, Branchensoftwarelösungen und Eigenentwicklungen bei der Erzeugung normkonformer E-Rechnungen an ihre Grenzen stoßen. Hinzu kommen fehlende Freigabeprozesse, Medienbrüche zwischen Faktura und Buchhaltung sowie Schwierigkeiten beim Versand zusätzlicher Dokumente.

Dieser Beitrag beleuchtet typische Herausforderungen und zeigt, welche Anforderungen Unternehmen künftig an ihre Ausgangsrechnungsprozesse stellen sollten.

Wenn die Rechnung erstellt ist – fangen die Probleme oft erst an

Viele Unternehmen gehen zunächst davon aus, dass die Umstellung auf E-Rechnungen lediglich eine technische Erweiterung ihrer bestehenden Fakturierung darstellt. In der Realität zeigt sich jedoch schnell, dass die Anforderungen deutlich umfangreicher sind.

Zwar können zahlreiche ERP-Systeme PDF-Rechnungen erzeugen, doch bei strukturierten E-Rechnungsformaten wie ZUGFeRD oder XRechnung endet die Standardfunktionalität häufig. Besonders betroffen sind ältere ERP-Versionen, branchenspezifische Lösungen oder individuell entwickelte Fakturierungssysteme.

Die Folge: Unternehmen müssen Zusatzlösungen implementieren, Prozesse manuell ergänzen oder sogar komplett neue Abläufe schaffen.

ZUGFeRD und Co. sind mehr als eine PDF-Datei

Ein häufiger Irrtum besteht darin, E-Rechnungen mit einer gewöhnlichen PDF-Datei gleichzusetzen.

Tatsächlich enthalten Formate wie ZUGFeRD strukturierte Rechnungsdaten, die von den Empfängersystemen automatisiert verarbeitet werden können. Die Rechnung muss dabei bestimmte technische und fachliche Anforderungen erfüllen, damit sie als normkonforme E-Rechnung anerkannt wird.

Viele Fakturierungssysteme wurden jedoch ursprünglich nicht für diese Anforderungen entwickelt. Die Erstellung entsprechender Rechnungen ist daher oft nur mit Zusatzentwicklungen oder kostenpflichtigen Erweiterungen möglich.

Besonders kritisch wird dies, wenn unterschiedliche Kunden verschiedene Anforderungen an die Rechnungsübermittlung stellen oder wenn Geschäftspartner explizit ZUGFeRD-Rechnungen verlangen.

Wenn zusätzliche Dokumente verschickt werden müssen

In vielen Branchen besteht eine Rechnung nicht ausschließlich aus der eigentlichen Faktura.

Oft müssen weitere Dokumente mitgeliefert werden, beispielsweise:

  • Leistungsnachweise
  • Prüfprotokolle
  • Sicherheitsdatenblätter
  • Lieferscheine
  • Projektberichte
  • Vertragsunterlagen

Während die Rechnung selbst möglicherweise noch erzeugt werden kann, stoßen viele Systeme beim automatisierten Versand solcher Zusatzdokumente an ihre Grenzen.

Die Konsequenz sind manuelle Arbeitsschritte. Mitarbeiter müssen Dokumente zusammensuchen, Anhänge ergänzen und den Versand überwachen. Dadurch entstehen zusätzliche Aufwände und Fehlerquellen.

Gerade bei hohen Rechnungsvolumina oder komplexen Kundenanforderungen wird dieser Prozess schnell zum Engpass.

Fehlende Freigabeprozesse bei Ausgangsrechnungen

Ein weiterer Aspekt wird häufig unterschätzt: Nicht jede Ausgangsrechnung sollte unmittelbar nach ihrer Erstellung versendet werden.

Viele Unternehmen benötigen interne Kontrollmechanismen, beispielsweise:

  • Prüfung durch Fachabteilungen
  • Freigabe größerer Rechnungsbeträge
  • Kontrolle von Projektabrechnungen
  • Nachweis über durchgeführte Leistungen
  • Vier-Augen-Prinzip vor dem Versand

Klassische Fakturierungslösungen bieten hierfür oftmals keine oder nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten.

Die Rechnung wird erstellt und direkt ausgegeben. Eine nachvollziehbare Dokumentation von Prüfungen, Freigaben oder Änderungen fehlt häufig vollständig.

Dadurch entstehen Risiken hinsichtlich Qualität, Nachvollziehbarkeit und Compliance.

Der Medienbruch zwischen Faktura und Finanzbuchhaltung

In vielen Unternehmen endet der Rechnungsprozess mit der Erstellung der Ausgangsrechnung.

Für die Finanzbuchhaltung beginnt anschließend ein neuer Prozess.

Nicht selten werden Buchungsinformationen manuell übertragen oder in separaten Systemen verarbeitet. Dadurch entstehen doppelte Datenhaltung, zusätzlicher Abstimmungsaufwand und erhöhte Fehleranfälligkeit.

Besonders problematisch wird dies bei:

  • mehreren Mandanten
  • komplexen Kostenstellenstrukturen
  • projektbezogenen Abrechnungen
  • konzernweiten Prozessen

Je mehr Systeme beteiligt sind, desto größer wird der Aufwand für Konsistenz und Nachvollziehbarkeit.

Warum Unternehmen ihre Ausgangsrechnungsprozesse ganzheitlich betrachten sollten

Die gesetzliche Verpflichtung zur E-Rechnung macht deutlich, dass Unternehmen ihre Ausgangsrechnungsprozesse nicht isoliert betrachten sollten.

Entscheidend ist nicht nur die Frage:

„Kann mein System eine E-Rechnung erzeugen?“

Viel wichtiger ist:

„Wie effizient läuft der gesamte Prozess von der Rechnungserstellung bis zur Archivierung?“

Ein zukunftsfähiger Prozess umfasst unter anderem:

  • Erstellung normkonformer E-Rechnungen
  • Einbindung zusätzlicher Dokumente
  • digitale Prüf- und Freigabeprozesse
  • automatisierten Versand
  • revisionssichere Archivierung
  • Übergabe relevanter Informationen an Buchhaltung und ERP-Systeme

Erst das Zusammenspiel dieser Bausteine ermöglicht einen durchgängigen digitalen Prozess.

Praxisbeispiel: Wenn die Fakturierung nicht mitwächst

Gerade mittelständische Unternehmen stehen häufig vor dem Problem, dass ihre Kernanwendung zwar die branchenspezifischen Anforderungen hervorragend abbildet, moderne E-Rechnungsprozesse jedoch nur eingeschränkt unterstützt.

Ein Austausch der gesamten Lösung ist oftmals weder wirtschaftlich noch organisatorisch sinnvoll.

Deshalb setzen viele Unternehmen auf ergänzende Lösungen, die bestehende Systeme erweitern und fehlende Funktionen bereitstellen, ohne die vorhandene ERP- oder Branchensoftware ersetzen zu müssen.

Dadurch lassen sich moderne E-Rechnungsanforderungen umsetzen, während die etablierte Systemlandschaft erhalten bleibt.

So lassen sich bestehende Systeme sinnvoll erweitern

Moderne Dokumenten- und Rechnungsprozesse müssen heute deutlich mehr leisten als die reine Erstellung einer Rechnung.

Erweiterungen können beispielsweise:

  • Ausgangsrechnungen im ZUGFeRD-Format erzeugen
  • zusätzliche Dokumente automatisiert anhängen
  • Freigabe- und Prüfprozesse bereitstellen
  • Versandprozesse steuern
  • Dokumente revisionssicher archivieren
  • Informationen an Finanzbuchhaltung und ERP-Systeme übergeben

Dadurch entsteht ein durchgängiger Prozess, ohne dass bestehende ERP-Systeme vollständig ersetzt werden müssen.

Im Umfeld des artner Business Centers steht hierfür beispielsweise die Erweiterung zur Erstellung von Ausgangsrechnungen im ZUGFeRD-Format zur Verfügung. Sie ergänzt bestehende Systemlandschaften um die erforderlichen Funktionen und unterstützt Unternehmen dabei, E-Rechnungsanforderungen praxisgerecht umzusetzen.

Warum sich ein ganzheitlicher Ansatz langfristig auszahlt

Unternehmen, die ihre Ausgangsrechnungsprozesse frühzeitig modernisieren, profitieren nicht nur von der Erfüllung gesetzlicher Anforderungen.

Sie schaffen gleichzeitig die Grundlage für:

  • weniger manuelle Arbeitsschritte
  • geringere Fehlerquoten
  • schnellere Rechnungsprozesse
  • bessere Nachvollziehbarkeit
  • höhere Prozesssicherheit
  • eine stärkere Digitalisierung der Finanzprozesse

Die eigentliche Herausforderung liegt daher nicht in der E-Rechnung selbst, sondern in der intelligenten Integration aller Prozessschritte rund um die Ausgangsrechnung.

E-Rechnungen erstellen, versenden und revisionssicher verwalten

Sie möchten prüfen, ob Ihre ERP- oder Branchensoftware die Anforderungen an moderne E-Rechnungsprozesse erfüllt?

Lassen Sie uns gemeinsam analysieren, wie sich Ausgangsrechnungen inklusive Freigaben, Versand, Archivierung und Buchhaltungsintegration effizient digitalisieren lassen.

👉 Jetzt unverbindlich Beratungstermin vereinbaren.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Erstellung von E-Rechnungen bei Ausgangsrechnungen

Kann jedes ERP-System E-Rechnungen für Ausgangsrechnungen erstellen?

Nein. Viele ERP-Systeme können zwar PDF-Rechnungen erzeugen, unterstützen jedoch keine normkonformen E-Rechnungsformate wie ZUGFeRD oder XRechnung. Besonders ältere ERP-Versionen, Branchensoftwarelösungen oder Eigenentwicklungen stoßen hier häufig an ihre Grenzen. Oft sind zusätzliche Erweiterungen oder externe Lösungen erforderlich.

Was ist der Unterschied zwischen einer PDF-Rechnung und einer E-Rechnung?

Eine PDF-Rechnung ist in erster Linie für Menschen lesbar. Eine E-Rechnung enthält zusätzlich strukturierte Daten, die von Software automatisch verarbeitet werden können. Formate wie ZUGFeRD oder XRechnung ermöglichen dadurch eine weitgehend automatisierte Weiterverarbeitung beim Empfänger.

Können mit einer E-Rechnung auch zusätzliche Dokumente versendet werden?

Ja. In vielen Fällen müssen neben der Rechnung weitere Dokumente wie Leistungsnachweise, Lieferscheine, Sicherheitsdatenblätter oder Projektberichte mitgeliefert werden. Allerdings unterstützen nicht alle Fakturierungssysteme das automatische Anhängen und Versenden solcher Dokumente. Dadurch entstehen häufig manuelle Arbeitsschritte.

Benötigen Unternehmen Freigabeprozesse für Ausgangsrechnungen?

In vielen Unternehmen ja. Insbesondere bei größeren Rechnungsbeträgen, Projektabrechnungen oder komplexen Leistungsnachweisen sind Prüf- und Freigabeprozesse sinnvoll. Sie sorgen für mehr Qualität, Nachvollziehbarkeit und Sicherheit vor dem Versand der Rechnung. Viele klassische Fakturierungslösungen bieten hierfür jedoch keine ausreichenden Funktionen.

Was bedeutet ein Medienbruch im Ausgangsrechnungsprozess?

Von einem Medienbruch spricht man, wenn Informationen zwischen verschiedenen Systemen manuell übertragen werden müssen. Beispielsweise wird die Rechnung in einem Fakturierungssystem erstellt, während die Verbuchung in einer separaten Finanzbuchhaltung erfolgt. Solche Medienbrüche verursachen zusätzlichen Aufwand und erhöhen das Risiko von Fehlern.

Muss ich mein bestehendes ERP-System austauschen, um E-Rechnungen erstellen zu können?

Nicht zwingend. Viele Unternehmen erweitern ihre bestehende ERP- oder Branchensoftware um zusätzliche Funktionen für die Erstellung, Freigabe, den Versand und die Archivierung von E-Rechnungen. Dadurch können bestehende Systeme weiter genutzt werden, während gleichzeitig moderne Anforderungen erfüllt werden.

Welche Vorteile bietet die Erstellung von Ausgangsrechnungen im ZUGFeRD-Format?

ZUGFeRD kombiniert eine visuell lesbare PDF-Rechnung mit strukturierten Rechnungsdaten. Dadurch profitieren sowohl Menschen als auch Software von der Rechnung. Unternehmen können gesetzliche Anforderungen erfüllen, Prozesse automatisieren und ihren Geschäftspartnern eine moderne, standardisierte Rechnungsübermittlung anbieten.

Welche Anforderungen sollte ein moderner Ausgangsrechnungsprozess erfüllen?

Ein zukunftsfähiger Prozess umfasst mehr als die reine Rechnungserstellung. Dazu gehören die Erzeugung normkonformer E-Rechnungen, die Einbindung zusätzlicher Dokumente, digitale Freigabeprozesse, automatisierter Versand, revisionssichere Archivierung sowie die Integration in ERP- und Buchhaltungssysteme. Nur so entsteht ein durchgängiger und effizienter Prozess ohne Medienbrüche.

Von der Rechnungserstellung zum durchgängigen Ausgangsrechnungsprozess

Unternehmen sollten nicht nur prüfen, ob ihr System ZUGFeRD oder XRechnung erzeugen kann. Entscheidend ist, ob der gesamte Prozess von der Erstellung über Freigabe, Versand und Archivierung bis zur Verbuchung digital und medienbruchfrei funktioniert. Wer diese Prozesse frühzeitig modernisiert, schafft die Grundlage für effizientere Finanzabläufe und zukünftige Automatisierungspotenziale.

Weitere Wissensseiten zum Thema

Best Practice

Heading

Heading